Der Mensch und seine Symbole (Teil 1)

29. Oktober 2009
von Robert Bozic

Zugegeben, der Titel ist gestohlen, aber Carl Gustav Jung hat den Grundstein zum Verständnis der menschlichen Wahrnehmung gelegt. Er sagte einmal: „Ein Wort oder ein Bild ist symbolisch, wenn es mehr enthält, als man auf den ersten Blick erkennen kann..."

Bild eines roten Smileys

Eines seiner bekanntesten Bücher „Die Archetypen“. Stark vereinfacht, sind damit archetypische Symbole gemeint, die in unserem Unterbewusstsein quasi eingebrannt sind.

Er untersuchte die unterschiedlichsten Völker aus allen Winkeln der Erde und fand heraus, dass sich bei all den verschiedenen Kulturen, bestimmte Bilder, Motive und Ideen immer wiederholen.

Bild eines kreisrunden Labyrinths
Im Herzen des Labyrinths lauert der Minotaurus

Verlassen wir das Feld der Psychoanalyse und kommen wir zu unserem eigentlichen Thema „Grafik Design in der Geschichte“. Der aufmerksame Leser wird sicherlich noch wissen, dass wir beim letzten Mal erfahren haben, dass die Schrift auch nichts anderes ist, als Symbole, die zu einer sinnvollen Reihenfolge angeordnet, Informationen vermitteln können. Jemand kann diese dann jederzeit abrufen, vorausgesetzt, dass er den Code kennt, so wie Sie es gerade eben auch tun: Sie lesen diese Symbole, als wäre es das Selbstverständlichste auf der Welt.

Bild einer Notation in Rot
Ursprünglich stammt die Notation aus Ägypten und ist über 5000 Jahre alt
Bild zeigt ein stilisiertes Beispiel der Brailleschrift
Brailleschrift (Blindenschrift)

Unsere urzeitlichen Vorfahren haben auch schon geschrieben. Nun, sie hatten natürlich noch kein perfekt durchdachtes Alphabet und schon gar keine Rechtschreibung, daher auch keine Rechtschreibreformen usw. Aber sie konnten bereits sehr früh Informationen weitergeben - und das über Generationen. Die beliebtesten Symbole waren damals der Kreis, das Quadrat und das Kreuz.

Alle diese Symbole konnten verschiedene Bedeutungen haben, je nachdem, in welchem Kontext man sie las. Beispielsweise steht der Kreis für die Erde, weibliche Formen oder den Horizont, würde man im Zentrum des Kreises stehen. Das Kreuz wiederum steht u.a. für die vier Himmelsrichtungen, usw. Sogar heutzutage werden diese 3 immer noch sehr gerne und häufig verwendet, vor allem in Logos bekannter Unternehmen.

Bild zeigt verschiede Logos mit kreisrunder Grundform
Achten Sie doch mal darauf, wie viele Automarken den Kreis als Grundform Ihres Logos verwenden.

Alle früheren Religionen verwendeten einfache Symboliken um komplexe Themen zu vermitteln. Zum Beispiel stand die Flamme für Gott oder die Erleuchtung, heute kann man sich da leicht die Finger verbrennen.

Natürlich eignen sich manche Symbole heutzutage zur Verwendung besser als andere, denn manchmal ist ein Symbol sogar so sehr vorbelastet, das es seine Anwendung geradezu unmöglich macht. Um ein Beispiel zu nennen, das jeder kennt: Das Hakenkreuz ist ein sehr altes Symbol (über 5000 Jahre), es stammt ursprünglich aus Indien und steht dort für Glück und Freude.

Bild von zwei dreieckigen Gefahrentafeln
Explosions- bzw. Biogefährdung

Viele der heute verwendeten Symbole werden von uns ganz automatisch aufgenommen und verarbeitet, ohne dass wir groß darüber nachdenken würden. Wir lernen viele Symbole schon im Kindergarten und später dann in der Schule, im Beruf, der Fahrschule etc. Wir, als Gesellschaft, brauchen diese Symbole um ein gemeinsames Leben überhaupt möglich zu machen. Und wenn sich mal Einer nicht an gewisse Symbole hält, kann er durchaus zu einer Gefahr für sich und andere werden.

Aber zurück in die Vergangenheit. Die Menschen begannen sich bereits in der Steinzeit zu spezialisieren; z.B. als Töpfer, Weber, Steinmetze, Baumeister, Bäcker usw. - die ersten Markenzeichen finden wir bereits im alten Ägypten. Als dann gewisse Privilegien später von kirchlichen und weltlichen Fürsten verliehen wurden, entstanden die ersten Gilden und Zünfte. Das neu entdeckte Selbstbewusstsein der Renaissance und das dadurch aufkommende Interesse am menschlichen Individuum, war der Anstoß für herausragende Künstler, ihre Werke mit einem persönlichen Signet zu versehen.

Bilder von Albrecht Dürers Monogramm, sowie einer Druckermarke aus dem funfzehnten Jahrhundert und eines Steinmetzzeichens
Albrecht Dürer's Monogramm ... Druckermarke15. Jhdt. ... Steinmetzzeichen

Moderne Marken- und Gütezeichen (Logos) orientieren sich auch heute noch an diesem uralten System der Kennzeichnung von Dingen, so auch von Waren und Dienstleistungen eines bestimmten Unternehmens. Mit dem Zweck diese Produkte (und Dienstleistungen) als etwas Einmaliges, Unverwechselbares im Bewusstsein der Kunden zu verankern und sich so von Konkurrenzunternehmen abzugrenzen.

Bild der vier verschiedenen Logoartens
Die vier Logotypen:
Symbolisch, Abstrakt, Typografisch und Beschreibend

Ein Logo wird von einem Designer immer wieder in Bezug auf seine symbolische Aussage betrachtet. Auch wenn ein Logo im Gegensatz zu einem Symbol, ein bewusst ausgedachtes und konstruiertes Zeichen ist, können wir uns seiner tieferen psychologischen Bedeutung gar nicht entziehen.

Bild zeigt eine stark stilisierte Pfeife. Darunter steht „ceci n'est pas une pipe“.
„Dies ist keine Pfeife“
... aber dazu mehr im 2. Teil in der nächsten Ausgabe ...

"Der Mensch und seine Symbole (Teil 1)",
Teil 2 der Reihe Grafik Design in der Geschichte

Quellen:

  • Der Mensch und seine Symbole, Carl G. Jung, Walter
  • Comics richtig lesen, Scott McCloud
  • Zeichen und Symbole, Marion Herbst
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